Es gibt Orte, die man verlässt und die doch für immer ein Teil des eigenen Herzens bleiben. Für mich ist Gut Zissendorf genauso ein Ort.
Als ich ankam, hatte ich Angst. Angst vor dem Unbekannten. Angst davor, mein Leben ohne Alkohol zu gestalten. Vor allem aber hatte ich Angst davor, mir selbst zu begegnen. Damals konnte ich nicht ahnen, dass genau diese Begegnung das größte Geschenk meines Lebens werden würde.
Gut Zissendorf ist für mich weit mehr als eine Suchtrehabilitation. Es ist ein Ort, an dem man sich selbst Stück für Stück wiederfindet. Ein Ort, an dem Tränen genauso ihren Platz haben wie Lachen. Ein Ort, an dem niemand perfekt sein muss. Ein Ort, an dem man erfahren darf, dass man mit all seinen Verletzungen, Ängsten und Schwächen angenommen wird.
Dieser Weg war nicht einfach. Es gab Tage voller Zweifel, Schmerz und Überforderung. Tage, an denen ich am liebsten aufgegeben hätte. Doch ich musste diesen Weg nie allein gehen.
Ich durfte Therapeutinnen und Therapeuten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen kennenlernen, die mich mit großer Menschlichkeit, Fachkompetenz und unendlicher Geduld begleitet haben. Jeder Einzelne hat Spuren in meinem Leben hinterlassen. Sie hatten immer ein offenes Ohr, haben mich ernst genommen, mich gestärkt und mit Mut gemacht – auch in den Momenten, in denen ich selbst kaum noch an mich geglaubt habe.
Sie haben mir etwas gezeigt, das ich viele Jahre verlernt hatte:
Gefühle dürfen da sein. Sie müssen nicht weggedrückt, verdrängt oder mit Alkohol betäubt werden. Ich darf traurig sein. Ich darf Angst haben. Ich darf wütend sein. Ich darf mich freuen. Ich darf all das fühlen – und trotzdem meinen Weg weitergehen.
Vor allem, aber haben Sie mir geholfen, mit selbst zu begegnen. Nicht der Fassade, hinter der ich mich so viele Jahre versteckt habe, sondern dem Menschen dahinter – mit all seinen Ängsten, Verletzungen, Hoffnungen und Stärken. Diese Begegnung war manchmal schmerzhaft. Sie hat Tränen gekostet und Kraft verlangt. Aber sie war der Beginn eines neuen Lebens.
Heute gehe ich meinen Weg abstinent weiter. Ich besuche die ambulante Weiterbehandlung und arbeite weiter an mir. Das Leben stellt mich auch heute noch vor Herausforderungen.
Der Unterschied ist: Ich muss ihnen nicht mehr mit Alkohol begegnen. Ich darf fühlen. Ich darf vertrauen. Ich darf wachsen. Und ich darf darauf vertrauen, dass ich auch schwierige Zeiten bewältigen kann.
Wenn ich heute auf meine Zeit in Gut Zissendorf zurückblicke, erfüllt mich vor allem eines: tiefe Dankbarkeit.
Dankbarkeit für jeden Menschen, der mich begleitet hat. Für jedes Gespräch, jede Ermutigung, jedes ehrliche Wort und jeden Moment, in dem mir gezeigt wurde, dass Veränderung möglich ist.
Gut Zissendorf hat mir nicht nur den Weg in ein abstinentes Leben gezeigt. Gut Zissendorf hat mir den Mut geschenkt, mir selbst zu begegnen. Dort habe ich begonnen, mich nicht länger vor meinen Gefühlen zu verstecken, sondern sie anzunehmen. Dort habe ich angefangen, mich selbst wiederzufinden.
Dafür werde ich dem gesamten Team von Herzen dankbar sein – ein Leben lang.
Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Bezugstherapeutin der Gruppe 3. Sie hat an mich geglaubt, als ich selbst oft noch gezweifelt habe. Sie hat mir nicht den Weg vorgegeben, sondern mit geholfen, meinen Eigenen zu finden. Durch ihre Geduld, ihre Ehrlichkeit und ihre Fähigkeit, genau hinzuhören, habe ich gelernt, meinen Gefühlen nicht mehr auszuweichen. Ich durfte erfahren, dass ich nicht perfekt sein muss, um angenommen zu werden, Sie hat mich immer wieder ermutigt, hinter meine Fassade zu schauen und den Mut zu entwickeln, mir selbst zu begegnen. Dafür werde ich ihr mein Leben lang von Herzen dankbar sein.
Danke, dass Sie mir nicht nur geholfen haben, abstinent zu werden. Sie haben mit geholfen, wieder Hoffnung zu finden, mir selbst zu vertrauen und Schritt für Schritt zu dem Menschen zurückzufinden, der ich tief in meinem Inneren schon immer war.
Dieses Geschenk ist unbezahlbar.
Von Herzen Danke ich Gut Zissendorf – für einen Ort, an dem ich nicht nur gelernt habe, ohne Alkohol zu leben, sondern an dem ich begonnen habe, wirklich zu leben.